… daran gewöhnt wie die Kuh an die Fliege. 

Was gibt es Schöneres für einen Redner als eine Metapher zu finden, die wirklich paßt?

An die jährlichen Abstiegsdepeschen hat sich das Land gewöhnt wie die Kuh an die Fliege.

Diese Metapher aus der Feder Gábor Steingarts kommt in meine Metaphernsammlung. Warum? 

Sie zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß sie wirklich in jedem ein ganz lebendiges Bild erzeugt.

Jeder kennt Fliegen und Kühe. Und Fliegen auf Kühen. 

Rhetorische Logik:
Metaphern sind nur dann glücklich gewählte Metaphern, wenn die Hörer damit etwas ihnen Bekanntes und Vertrautes verbinden und ein Bild vor ihrem geistigen Auge entsteht.

Sintflutartige Regenfälle ? Rhetorisch funktioniert das nur, wenn den Hörern die Sintflut bekannt ist.

Das ist eine Sisyphusarbeit funktioniert auch nur, wenn bekannt ist, wer Sisyphus bzw. Sisyphos war. 

Zurück zu den Fliegen auf der Kuh. In diesem Kontext seines Morgenbriefings vom 18. Juni 2020 gelingt Steingart ein ganz besonders glücklicher Wurf. Die Metapher meint nämlich wohl gleich zwei Dinge auf einmal: die Gewöhnung und das Resignieren der Kühe, die zwar mit dem Schwanz und dem Zucken der Haut wohl die eine oder andere Fliege verscheuchen, sich aber doch in ihr Schicksal ergeben. Die Fliegen sind da. 

Wie ist das mit dem steten Abstieg im Wettbewerbsfähigkeitsranking Deutschlands? Wir haben uns an ihn gewöhnt und wir wedeln zwar ein bißchen mit dem Schwanz, im Grunde genommen nehmen wir es aber hin, als wäre das nicht eine Folge unserer Taten, sondern eben eine schicksalshafte Zeiterscheinung. 

Hier nun der Kontext der schönen Metapher mit den Fliegen auf der Kuh von Peter Steingart. 


Quelle: Das Morgenbriefing von Gábor Steingart, 18.06.2020  

Was ist Dir wichtig, Du Damische?

Rhetorik ist ein garstig Ding. 

Da willst Du etwas sagen. Sogar etwas Wichtiges. Und dann funkt Dir einer vollkommen unerwartet drein. Und noch dazu zieht er mit der Aktion die Lacher gleich auf seine Seite. 

Schauen Sie, was da passiert ist, mitten in Wien, vor einigen Tagen:

Ist das ein Problem für den Redner?

Nicht wirklich: Hier ist es am besten, mitzulachen. Es ist ja auch wirklich witzig. Wer stark ist, kann leicht auch über sich oder eine komische Situation, die ihn betrifft, lachen. 

Und in Wien ist es schon gar nicht schwer, weil das typisch Wien ist. Liebenswert typisch. Ein Grantelnder grantelt. 

Damisch ist zwar schon irgendwie despektierlich einer Dame gegenüber, die noch dazu die Vizebürgermeisterin von Wien ist.

Damisch ist kein Kompliment mehr, aber auch noch keine Beleidigung. Ich weiß nicht einmal, wie ich das einem Nichtwiener übersetzen würde. Es geht in Richtung blöd, ein wenig verrückt, dumm – aber Sie wissen, wie das mit Dialektausdrücken ist: Wirklich treffen tut das kein hochdeutsches Wort.

Zusätzliche Pointe:

Frau Hebein von der Partei der Grünen ist gerade dabei, im Wiener Wahlkampf in unangekündigten Nacht- und Nebelaktionen ganze Fahrbahnen und Parkplatzstreifen zu Radwegen umzufunktionieren. Das spaltet die Wiener natürlich. 

Daß dann die PR-Aktion Hebeins mit der Verkündung eines neuen Radweges in der Wiener Praterstraße offensichtlich exakt dort stattfindet, wo Fahrradfahrer am Fahrradfahren behindert werden, führt geradezu zwangsweise zu dieser wichtigen Frage des Fahrradfahrers:

Was ist Dir wichtig, Du Damische?


Video-Quelle: TikTok © Devil_Women85

Beachtliche Sätze.

Des Volkes Stimme.

Die Männer sind ja schon sehr emanzipiert. Sie können waschen, bügeln, kochen.

Eine Frau sucht eine Antwort auf die Frage, warum es heutzutage so schwer ist, einen Mann für eine Beziehung, hingegen so leicht, ihn lediglich für den Spaß zu finden.  Aufgeschnappt in der Barbara Karlich Show am 24. Mai 2020.

Dieser Satz kommt mitsamt Angabe zum Kontext in meine Zitatensammlung. Es wird mir ein Vergnügen sein, ihn bei einem passendem Redethema zu zitieren. Der Satz bringt auf jeden Fall Schwung in die Bude.

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