"Strache: 'Niemand wird mehr arbeiten!' " – Lesen Sie das einmal laut!

In einem Seminar für Redenschreiber habe ich die Teilnehmer gefragt, wie die Zusammenarbeit mit ihren jeweiligen Auftraggebern aussieht, für die sie die Reden schreiben.

Es gab viele interessante und ein paar erschreckende Antworten. Am meisten erschreckt hat mich diese Antwort eines Redenschreibers in einem Landesparlament: „Er liest sich das Konzept vor der Rede nicht einmal durch. Seine Rede lernt er erst bei der Rede kennen. Ganz wie seine Hörer.“

Kommentar überflüssig. Man schüttelt nur den Kopf.

Was ich nur zeigen will: Die Rede oder den vorzulesenden Text vor dem Auftritt zumindest zu lesen, und zwar sinnerfassend zu lesen, am besten laut (da erschließt sich einem viel mehr), ist unverzichtbar wichtig! Schon alleine deshalb, weil man dann wenigstens das Eine weiß: Wie betone ich richtig?

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„A Wunda, a Wunda, es is a Wunda g’schehn!“ Von einem Wunder rhetorischer Relevanz.

Mario Kunasek | Bild-Quelle: FPÖ
Mario Kunasek | Bild-Quelle: FPÖ

Liebe Jazz Gitti, Dein Lied ist mir damals eingefallen. „A Wunda, a Wunda, es is a Wunda g´schehn, ja ganz ohne Frog, sowas gibt’s net olle Tog.“ Der 25. Mai 2018 „woa so a Tog.“

Das Wunder? Der Verteidigungsminister Mario Kunasek, ein Steirer wie Jazz Gitti, hat entschieden und befohlen:

Wer will, kann gendern. Wer nicht will, muß nicht gendern. "Feministische Sprachvorgaben zerstören die gewachsene Struktur unserer Muttersprache bis hin zur Unlesbarkeit und Unverständlichkeit", begründet Mario Kunasek klug. Meine Rede schon immer – und nicht nur meine.

Für meine Leser im Ausland: In Österreich ist so etwas wirklich ein Wunder, im Land, wo das Parlament sogar die eigene Bundeshymne gendernd verunstaltet hat.

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Auf den Spuren von Charles de Gaulle und Winston Churchill: Viktor Orbán.

Festrede des Ministerpräsidenten von Ungarn am 15. März 2018 in Budapest.

Ich habe diese Rede im Fernsehen mitverfolgt. Die intellektuelle Redlichkeit fordert, daß ich erwähne, daß ich eine ungarische Seele habe und befangen bin. Bei der Begutachtung dieser Rede hat das aber zumindest den Vorteil, daß ich die für Reden entscheidende emotionale Wirkung tatsächlich spüre.

Die entscheidende Frage nach der Qualität einer Rede ist ja die, ob der Redner sein emotionales und sein substantielles Ziel erreicht hat.

Ich messe diese Rede so: Ja, Orbán hat die Rede so angelegt und so gehalten, daß er die Seelen der Versammelten berührt und in die von ihm gewollte Richtung ausgerichtet hat. Seine Freunde haben gejubelt, seine Gegner und Feinde haben sie entschieden abgelehnt. Egal war sie niemandem. Mission accomplished!

Orbán hat etwas - heute in Europa - Seltenes getan. Er hat im Stil einer Rede an das Volk vor dem Eintritt in den Krieg und im Stil einer Rede eines Feldherrn vor seinen zur Schlacht angetretenen Truppen geredet.

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